Der Karpfenrücken (Kyphose) beim Pferd

Karpfenrücken Pferd




Karpfenrücken Pferd

Der Karpfenrücken, auch als Kyphose bezeichnet, ist eine unnatürliche, angeborene oder erworbene Aufwölbung des Pferderückens im Bereich der Lendenwirbelsäule. Diese Krümmung führt zu einem auffälligen Rundrücken, der an die Form eines Karpfens erinnert. Pferde mit dieser Rückenform sind nicht per se unreitbar, jedoch kann der Rücken nicht elastisch schwingen, wodurch die Gänge sehr hart zu sitzen sind. Außerdem ist es schwer, einen passenden Sattel zu finden. Eine Karriere als Dressurpferd oder im Springsport sind daher eher unwahrscheinlich.

Die Ursachen für einen Karpfenrücken können vielfältig sein und reichen von genetischen Faktoren über Haltungs- und Fütterungsfehler bis hin zu Problemen im Wachstumsprozess junger Pferde. Ist die Ursache aber geklärt, ist die darauf folgende Behandlung fast immer erfolgreich.

Karpfenrücken Pferd

Wie schon beschreiben, zeichnet sich ein Karpfenrücken beim Pferd durch eine übermäßige Krümmung der Wirbelsäule im Bereich der Lendenwirbel aus. Die charakteristische Form ähnelt dem Rundrücken eines Karpfens und unterscheidet sich deutlich von der normalen, geraden oder leicht gewölbten Wirbelsäulenform. Oft ist ein Karpfenrücken mit einem vergleichsweise kurzen Rücken verbunden, da die Wirbelsäule in einem stärkeren Bogen verläuft.

Die Muskulatur auf der Ober- und Unterseite des Rückens kann durch die ungleichmäßige Belastung beeinträchtigt sein. Oftmals sind die Rückenmuskeln, vor allem am Widerrist, verkürzt. Die Bauchmuskulatur sinkt ab.

Pferde mit Karpfenrücken können Bewegungseinschränkungen zeigen, insbesondere wenn es um das Anheben des Rückens oder das Ausführen von bestimmten Bewegungen geht.

Generell unterscheidet man zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Kyphose. 

Bei der angeborenen Kyphose gibt es noch keine endgültige, wissenschaftlich abgeklärte Ursache. Eine mögliche Theorie ist, dass sie genetisch bedingt ist. Eine andere Theorie der Forscher stützt sich darauf, dass der Embryo durch eine ungünstige Position im Bauch der Stute diese Deformierung erleidet. Sichtbar werden angeborene Kyphosen im Alter von 6 bis 12 Monaten. Leider ist die Prognose für eine angeborene Wirbelsäulenverkrümmung deutlich schlechter als für eine erworbene.

Fohlen mit Karpfenrücken

Die erworbene Kyphose unterscheidet sich in die primäre und sekundäre Kyphose. 

Bei der primären Kyphose hat das Pferd entweder Verletzungen an Weichteilen erlitten oder es ist eine Deformation von Wirbelkörpern für die Aufwölbung verantwortlich. Beide organischen Ursachen produzieren auch genau dort Symptome, wo die Verletzung vorliegt. Da diese Form der Erkrankung leicht zu erkennen und zu behandeln ist, ist die Prognose hier sehr gut. Selten muss operativ eingegriffen werden.

Die sekundäre Kyphose besitzt ihre Ursache nicht in dem Bereich, in dem die Symptome auftreten, sondern an anderer Stelle. Meist nimmt das Pferd eine Schonhaltung ein, um Schmerzen zu reduzieren, die an anderer Stelle auftreten. Dies kann z.B. bei einer Hufrehe der Fall sein, wenn das Pferd sich in die sogenannte Sägebockstellung begibt. Es kippt das Becken ab und stellt die Hinterbeine weit unter den Bauch. Dadurch wölbt sich die Lendenwirbelsäule auf. Es gibt noch zahlreiche weitere Erkrankungen, die als Symptom einen Karpfenrücken aufweisen. Ziehe hier in jedem Fall einen Tierarzt zu Rate, der die genaue Ursache abklären kann.

Karpfenrücken Pferd

Natürlich können auch weitere äußere Einflussfaktoren zu einem Karpfenrücken führen. Eine nicht artgerechte Haltung und Fütterung können im ganzen Körper Probleme verursachen. Außerdem können Arthrosen oder Fehlstellungen der Wirbelkörper in anderen Regionen zu einer Fehlbildung in der Kruppe führen. Schmerzen, sei es durch Zahnprobleme, Hufprobleme oder andere gesundheitliche Probleme, können dazu führen, dass das Pferd den Rücken verspannt und eine ungesunde Haltung einnimmt.

Genauso gut können Wachstumsprobleme und vor allem Fehlbelastungen in jungen Jahren sowohl das Gebäude des Pferdes als auch die Entwicklung der Muskulatur negativ beeinflussen. Viel häufiger ist hier jedoch eine Trageerschöpfung oder ein Senkrücken. Dabei wölbt sich der Rücken nach unten und die Tragfähigkeit geht verloren.

Der letzte Punkt ist unpassende Ausrüstung. Sitzt der Sattel nicht richtig und verursacht Druckstellen, wird dies unweigerlich zu Rückenproblemen führen. Auch zu eng geschnallte Reithalfter, die die Bewegungsfreiheit des Kiefers einschränken, können zu Verspannungen führen, die sich im Rücken bemerkbar machen. Eine Lahmheit ist hier oft ebenfalls ein Symptom mit ganz anderer Ursache.

Friese

Pferde im barocken Typ, wie Andalusier oder Friesen, haben genetisch bedingt eine Rückenlinie, die von der gewöhnlich bekannten Form abweicht. Diese Rassen haben meist einen steileren Widerrist als die meisten Warmblüter. Oftmals ist ein leichter Senkrücken, der aber nicht von einer Trageschwäche herrührt, zu sehen. Danach verläuft die Linie wieder stärker nach oben und sieht einem Karpfenrücken sehr ähnlich. Allerdings ist der gesamte Verlauf harmonisch und sieht natürlich aus.

Der krankhafte Karpfenrücken dagegen sieht unharmonisch aus und der Verlauf der Rückenlinie ist optisch unterbrochen.

Ist der Karpfenrücken klinisch bestätigt und die Ursache bekannt, geht es daran, die Bemuskelung des Pferdes allgemein aufzubauen. Unterstützend sollte ein Pferdeosteopath oder -physiotherapeut hinzugezogen werden, um die Verspannungen zu lösen.

Besonders wichtig ist nun die Gymnastizierung vom Boden aus, um das Pferd nicht noch zusätzlich mit dem Reitergewicht zu belasten. In der Bodenarbeit können wir die gesamte Muskulatur des Pferdes stärken und aufbauen. Gezielt wenden wir uns hier natürlich dem Pferderücken zu. Dafür kannst du aus der ganzen Bandbreite der Bodenarbeit wählen. Ich würde dir empfehlen, dich vor allem mit der klassischen Arbeit an der Hand auseinanderzusetzen, da du dort sämtliche Lektionen der Dressur vom Boden aus abbilden kannst. Aber auch etwas exotischere Trainingsformen, wie Zirkuslektionen oder die Equikinetic können dir die gewünschten Erfolge versprechen.

Tipp: Erweitere deinen Horizont und probiere einfach mal etwas neues aus! Bewerte den Effekt auf den Pferdekörper und auf die Psyche und reflektiere so jede Übung, an der ihr gemeinsam arbeitet.

Ist die Stärkung der gesamten Muskulatur so weit fortgeschritten, solltest du den Sattel neu anpassen lassen. Ist sichergestellt, dass das Pferd bei der Belastung keine Schmerzen mehr hat, kannst du nun das Training im Sattel wieder aufnehmen. Jetzt gilt es, gezielt Vorwärts-Abwärts zu trainieren und aus der Hinterhand mehr Schub herauszuholen. So erreichen wir, dass das Pferd den Rücken wieder aufwölbt und aktiv dein Gewicht trägt. Achte hierbei nun penibel auf die kleinsten Erschöpfungsanzeichen deines Pferdes und steige lieber zu früh wieder ab als zu spät. Du kannst die Einheit danach noch an der Longe fortführen und im Trab und Galopp das Mitschwingen des Rückens weiter fördern. 

Überlaste dein Pferd nicht! Vollkommene Erschöpfung hilft uns in dieser Phase der Rehabilitierung nicht weiter. Es kann einige Wochen bis Monate dauern, bis dein Pferd wieder gut bemuskelt ist und die Symptome und Ursachen des Karpfenrückens behandelt sind. Habe also Geduld!

Zuallererst sie gesagt: Es ist noch nicht wissenschaftlich belegt, ob eine Karpfenrücken genetische Ursachen haben kann. Daher sollten Pferde mit dieser Fehlstellung nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Ansonsten lassen sich viele Rückenprobleme vermeiden, indem auf gut passende Ausrüstung und einen weichen, federnden Reitersitz geachtet wird. Beobachte dein Pferd vor, während und nach der Trainingseinheit, ob es sich verspannt, losgelassen läuft oder Schwierigkeiten mit einer Übung hat.

Achte auf Abwechslung im Training und genügend Erholungspausen. Reite nicht jeden Tag, sondern baue mindestens zweimal die Woche einen Tag Bodenarbeit in dein Trainingsprogramm mit ein. Das stärkt eure Verbindung und ihr habt dadurch viel größere Freude und Motivation beim Training.

Außerdem kann es ratsam sein, regelmäßig einen Pferdeosteopathen oder -physiotherapeuten das Pferd behandeln zu lassen, um Verspannungen zu lösen.

Natürlich solltest du auch auf die Rahmenbedingungen wie Haltung, Fütterung und das Gewicht deines Pferdes (und des Reiters) achten. Hier zählt der Grundsatz: artgerecht und gesund soll es sein.

Generell ist die Diagnose Karpfenrücken eher selten. Jedoch ist der Rücken des betroffenen Pferdes nicht besonders beanspruchbar und das Pferd meistens nicht reitbar. Durch gezieltes Training und Behandlungen kann die Beweglichkeit wieder hergestellt werden. Hierfür muss aber nach einem strikten Trainingsplan zum Muskelaufbau gearbeitet und auf das Reiten zunächst verzichtet werden. Bequem zu sitzen sind Pferde mit dieser Fehlstellung allerdings nicht, da der Rücken wenig mitschwingt.

Hat bereits das Fohlen diese Rückenform, ist eine Korrektur selten erfolgreich möglich. Durch angepasstes Training können aber die langen Rückenmuskeln gestärkt werden und somit etwas kompensierend unterstützen. Zur Zucht ist dieses Pferd allerdings nicht geeignet.

Was bedeutet ein Karpfenrücken beim Pferd?

Ein Karpfenrücken beim Pferd bezeichnet eine übermäßige Krümmung der Wirbelsäule im Lendenwirbelbereich, die an die Form eines Karpfens erinnert.

Kann man ein Pferd mit Karpfenrücken reiten?

Das Reiten eines Pferdes mit Karpfenrücken kann Schmerzen verursachen und sollte vermieden werden. Eine individuelle tierärztliche Beurteilung ist notwendig, um die Belastbarkeit des Pferdes zu beurteilen.

Was ist ein Karpfenrücken?

Ein Karpfenrücken ist eine auffällige Krümmung der Lendenwirbelsäule, die einen charakteristischen Rundrücken beim Pferd verursacht, oft mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Wie wölbt mein Pferd den Rücken auf?

Um das Pferd dazu zu bringen, den Rücken aufzuwölben, ist eine korrekte und ausbalancierte Reitweise erforderlich. Gymnastizierende Übungen wie Biegungen, Stellung und Aufrichtung fördern die Entwicklung einer gesunden Rückenmuskulatur.

Autor

  • Larissa

    Ich bin stolze Besitzerin von zwei selbst ausgebildeten Pferden, Pferdetrainerin aus Leidenschaft und besitze ein Händchen für die Pferdeflüsterei. Ich möchte mit dir mein gesammeltes Wissen aus den letzten 20 Jahren teilen und hoffe, die Welt ein kleines bisschen pferdefreundlicher zu machen.

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