Intervalltraining mit dem Pferd | Der Alleskönner für effektiven Muskelaufbau und Ausdauertraining

Intervalltraining Pferd




Intervalltraining Pferd

Pferde brauchen zur Gesunderhaltung nicht nur regelmäßige Bewegung, sondern auch echtes Training mit höherer Belastung. Training bedeutet dabei, dass du systematisch und nach Plan auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitest. Das Ziel muss dabei kein Hochleistungssport sein. Denke dabei doch einmal an die Ausbildung eines Pferdes. Die sechs Stufen der Ausbildungsskala (Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten, Versammlung) folgen genau diesem Prinzip. 

Egal, was du mit deinem Pferd vorhast, es sollte dafür körperlich und mental vorbereitet werden. Ich zeige dir hier, wie dir clevere Intervalle dabei helfen können, deine Ziele zu erreichen und dein Pferd fit zu halten.

Das Grundprinzip des Intervalltrainings besteht aus dem Wechsel zwischen Belastungs- und Erholungsphasen. Dabei verbesserst du Kraft und Ausdauer deines Pferdes gleichermaßen, denn wir sprechen hier von Konditionstraining.

Achtung Verwechslungsgefahr: Kondition wird landläufig gern mit Ausdauer gleichgesetzt. das ist aber nicht korrekt! Unter Kondition versteht man nämlich weit mehr als nur reines Ausdauertraining. Es beinhaltet die Verbesserung aller physischen Leistungsfaktoren. Dazu zählen Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination, Ausdauer und Kraftausdauer.

Beim Intervalltraining werden kurze, intensive Belastungsphasen mit anschließenden Erholungsphasen kombiniert. Dieser Wechsel aus Anstrengung und unvollständiger Erholung hilft, die Leistungsfähigkeit des Pferdes zu steigern. Beim Reiten können beispielsweise Phasen mit erhöhtem Tempo oder intensiverer Arbeit mit Phasen lockerem Schritts oder entspanntem Trab kombiniert werden. Es ist wichtig, das Intervalltraining langsam zu steigern und auf die Fitness und das Alter des Pferdes abzustimmen, um Verletzungen durch Übertraining zu vermeiden.

Ein Trainingsplan hilft dir dabei, Fortschritte genau zu planen und dein Pferd im Training weder zu über- noch zu unterfordern.

Du merkst schon, ich bin ein Fan vom Intervalltraining. Warum genau? Das erkläre ich dir gern.

  1. Mein Pferd ist motiviert bei der Arbeit: Da Pferde ein ausgeprägtes Zeitgefühl besitzen, wissen sie sehr schnell, wie lang das Training geht und wann sie eine Pause bekommen. Sie strengen sich während der Trainingseinheit viel mehr an, da sie genau wissen, dass die Pause sicher und zu 100 % kommt. Sobald das Piepen des Timers für die Pause ertönt, drehen sie selbständig ab, kommen in die Mitte und entspannen.
  2. Effiziente Workouts: Durch den jeweiligen Wechsel aus einer Belastungsphase und Erholung können in kurzer Zeit effektive Trainingseinheiten absolviert werden. So läufst du niemals Gefahr, dass die Einheit langatmig und frustrierend wird.
  3. Verbessertes Durchhaltevermögen: Intervalltraining stärkt das Herz des Pferdes, was zu einer besseren Sauerstoffversorgung der Muskeln führt und somit die Kondition in jedem Bereich steigert.
  4. Reduziertes Verletzungsrisiko: Das Training in Intervallen verringert die Ermüdung und das Verletzungsrisiko, da das Pferd sich in den Erholungsphasen regenerieren kann. Durch die kontrollierte und angepasste Steigerung der Intensität, gehst du niemals über die Belastungsgrenze. 
  5. Gewichtsverlust: Intervalltraining kann dazu beitragen, Fett zu verbrennen und eignet sich somit besonders für Pferde, die abnehmen sollen.

Die Art des Trainings ist an sich irrelevant, entscheidend ist der Aufbau der Trainingszeiten. Du kannst immer in Intervallen trainieren. Es ist auch völlig egal, ob du im Gelände oder beim Training auf dem Reitplatz deinen Timer startest. Du kannst reiten oder in die Bodenarbeit gehen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Es richtet sich alles nach dem Ziel, das du gemeinsam mit deinem Pferd erreichen möchtest.

Ich stelle dir hier einmal die drei gängigsten Formen vor und möchte dich gleich ermutigen, gerne kreativ zu werden und auch einmal verschiedene Hindernisse mit einzubauen. Inspirationen hierfür findest du unter anderem im Bereich der Working Equitation, im Gelassenheitstraining oder in der Stangenarbeit.

Intervalltraining Pferd Longe

An der Longe kannst du zwischen Schritt-, Trab- und Galoppintervallen wechseln. Baue deine Einheit systematisch auf und überlege dir vorher, wie viele Minuten am Stück du in der jeweiligen Gangart pro Seite trainieren möchtest. Achte vor allem darauf, dass du nicht zentrifugierst, sondern in einen echten Dialog trittst und dein Pferd stets dazu animierst, locker und in leichter Innenstellung und Biegung zu laufen.

Tipp: Probiere doch mal etwas neues aus und übe dich an der Doppellonge. So kannst du ganz einfach Bahnfiguren longieren und sogar Seitengänge und komplizierte Muster wie einen Slalom mit einbauen.

Es genügt in der Regel, wenn du deine Einheit auf rund 30 Minuten begrenzt und dafür einen intensiven Reiz setzt. Dies erreichst du durch kurze Pausen zwischen zwei Belastungsphasen und der Arbeit in den höheren Gangarten.

Eine Sonderform beim Longieren in Intervallen stellt die Equikinetic dar. Das von Michael Geitner entwickelte Prinzip beruht darauf, dass das Pferd innerhalb einer Quadratvolte longiert wird. Es läuft dabei die ganze Zeit in Innenstellung und stärkerer Biegung als auf dem Longierzirkel. Durch den Aufbau der Quadratvolte in den blau-gelben Gassen trainierst du zusätzlich beide Gehirnhälften gleichzeitig. Das nennt sich dann Dualaktivierung.

Ein sehr effektives Training mit besonders hoher Intensität, das vor allem für Pferde in der Aufbauphase geeignet ist. Probiere es doch direkt mal aus und arbeite einen Equikinetic Trainingsplan durch. Du wirst erstaunt sein, welche Ergebnisse du mit nur dreimal Training pro Woche damit erzielen kannst!

Natürlich kannst du auch in Intervallen reiten. Ich bevorzuge es hierbei allerdings ins Gelände zu gehen, da viele gerade Strecken genutzt werden können. Du kannst deine Galoppstrecke z.B. mal unterteilen und dafür schneller oder sogar öfter hin und her reiten. Suche dir am besten lange Strecken aus, denn du wirst einiges an Kilometern zurücklegen, wenn du nach der Stoppuhr trabst und galoppierst. Gerade um das Galoppieren zu verbessern, liebe ich die Arbeit im Gelände mit dem Timer.

Intervalltraining Pferd Reiten

Es gibt natürlich ein paar Grundregeln zu beachten, damit Mensch und Pferd mit Freude trainieren können und keinen Schaden nehmen. Wenn du aber diese drei Ratschläge befolgst, wird auch bei dir nichts schief gehen. 

Denke immer daran: wir wollen im aeroben Bereich trainieren und unser Pferd nicht komplett aus der Puste bringen und auslaugen. Die einzige Ausnahme beträgt hier ein kurzes, knackiges HIIT Programm (High Intense Interval Training). Hierbei wechseln sich sehr intensive Phasen, bei denen im anaeroben Bereich trainiert wird, mit kurzen, unvollständigen Erholungsphasen ab.

Generell würde ich das Intervalltraining etwa zweimal pro Woche mit in deine Routine einbauen. Wenn du dich schneller steigern möchtest, kannst du auch auf dreimal pro Woche erhöhen.

Hier kommt jetzt ein wirklich ernst gemeinter Appell an dich: Wärme dein Pferd richtig auf! Ich sehe so viele Verletzungen in meiner täglichen Arbeit, die durch richtiges und konsequentes Aufwärmen vermeidbar sind.

Gehe dazu mindestens 15 Minuten Schritt. Du kannst je nach Ausbildungsstand des Pferdes natürlich auch die Lösungsphase bereits ins Aufwärmen integrieren. Die Lösungsphase dient dazu, das Pferd auf die bevorstehende Belastung vorzubereiten und Anspannungen abzubauen. Eine gut durchgeführte Aufwärmphase kann das Verletzungsrisiko verringern und die Leistungsfähigkeit des Pferdes steigern. Besonders bei älteren Pferden ist es sehr wichtig, gut und gründlich aufzuwärmen.

Das Cool-Down am Ende der Trainingseinheit hilft dabei, den Stoffwechsel zu regulieren und die physiologischen Funktionen des Pferdes wieder in den Ruhezustand zu versetzen. Vor allem wenn dein Pferd geschwitzt hat, solltest du es vollständig trocken führen. Integriere z.B. einen kleinen Spaziergang nach der Einheit, um alles schön zu lockern.

Frage dich immer: Was möchte ich mit meinem Pferd erreichen und was kann es jetzt in diesem Moment leisten? Baue auf dieser Grundlage dein Training auf.

Ein junges Pferd, das gerade erst anfängt zu arbeiten, kann sich vielleicht 10 Minuten auf das Training konzentrieren. Es wäre unfair, direkt eine halbe Stunde Trab-Galopp-Intervalle abzufragen.

Ein fittes Pferd dagegen braucht wahrscheinlich die volle halbe Stunde, um überhaupt einen Trainingsreiz setzen zu können. Hier musst du dich vermutlich bald fragen: Was kann ich an Übungen integrieren, um weiterhin Fortschritte zu machen?

Tipp: Ein gutes Hilfsmittel ist die Pulsuhr. Damit kannst du den Puls deines Pferdes messen und siehst genau, wann es zu viel oder zu wenig Intensität ist. Wenn dein Pferd in der Pause schon wieder auf Ruhepuls ist, verkürze die Pause oder erhöhe die Intensität.

Außerdem kannst du die Atmung überprüfen. Wenn in der Pause die Atemfrequenz auf 8 bis 16 Züge pro Minute fällt, bist du wieder im Ruhezustand. Auch hier kannst du die Pausen verkürzen oder die Arbeitsphasen intensiver gestalten.

Entscheidend ist, dass du den Anspruch kontinuierlich und von Woche zu Woche steigerst. Nur so verbesserst du die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit deines Pferdes. Steigern kannst du entweder durch schrittweise Erhöhung der Belastungsintensität oder -dauer oder durch Verkürzen der Erholungsphasen.

Achte aber immer auf die Erschöpfungsanzeichen deines Pferdes und brich das Training bei Anzeichen von Überforderung sofort ab. Wir wollen die Motivation schließlich hoch halten!

Während des Trainings werden die Muskeln stark beansprucht, und die Regenerationsphasen helfen, Muskelschäden zu reparieren und den Körper auf das nächste Training vorzubereiten. Der Körper baut außerdem in den Regenerationspausen Muskulatur auf. Dafür braucht er aber Zeit. Nach dem Intervalltraining sollte das Pferd mindestens 48 Stunden Pause bekommen. Das bedeutet nicht, dass es nicht bewegt werden darf, es sollte nur nicht trainiert werden. Gegen einen lockeren Spaziergang oder einen kurzen Schrittausritt spricht hier natürlich nichts.

Intervalltraining Pferd Regenerationspause

Ich werde immer wieder mit zwei Glaubenssätzen konfrontiert, die ich an dieser Stelle zum Abschluss noch gerne auflösen möchte.

„Intervalltraining ist nur etwas für Sportpferde, die Leistung erbringen müssen.“

Natürlich hilft es dabei, ein Sportpferd fit zu bekommen, wenn man in Intervallen trainiert. Aber nicht nur ein Sportpferd profitiert von den ganzen positiven Merkmalen dieser Trainingsmethode, sondern auch jedes Freizeitpferd und zwar unabhängig von der Pferderasse und -größe. Ob du dein Minishetty fährst oder dein übergewichtiges Pferd gesund trainierst, es ist vollkommen egal. Die Methode hilft dir dabei, dran zu bleiben und eine klare Struktur zu haben. Du tust der Gesundheit deines Pferdes etwas gutes, indem du es nicht kaputt schonst.

„Nach dem Intervalltraining muss das Pferd verschwitzt und erschöpft sein.“

Wie würdest du dich fühlen, wenn jedes einzelne Training dich komplett auslaugen würde und du davon tagelang Muskelkater hast? Genau so geht es auch deinem Pferd wenn du es immer bis zur Erschöpfung trainierst. Passe das Training so an, dass dein Pferd sich wohl fühlt und ein leichter Reiz gesetzt wird. Es darf leicht schwitzen und es darf am Ende leicht erschöpft sein. Es sollte aber nicht im Stehen einschlafen und klatschnass sein. Finde die Waage und achte darauf, die Intensität anzupassen. Auch wenn dein Pferd nicht schwitzt kann die Einheit ein sehr gutes Training gewesen sein. Vielleicht war es ja mental sehr fordernd?

Daher das berühmte Schlusswort: Ausreden gelten nicht und bilde dir deine eigene Meinung durch Ausprobieren und nicht durch Nachplappern!

Was ist Intervalltraining fürs Pferd?

Intervalltraining für Pferde beinhaltet den Wechsel zwischen kurzen, intensiven Belastungs- und Erholungsphasen, um die Ausdauer und Muskulatur zu stärken. Die Belastungs- und Erholungsphasen sollten individuell an die Fitness des Pferdes angepasst werden.

Wie viele Minuten sollte ich Intervalltraining machen?

Wie lange die einzelnen Belastungsphasen sein sollen, hängt komplett von der Fitness des Pferdes ab. Ein gängiger Start für ein untrainiertes Pferd sind z.B. 8 Einheiten zu je 60 Sekunden mit 45 Sekunden Pause.

Wie baut man Kondition beim Pferd auf?

Um die Kondition beim Pferd aufzubauen, ist es ratsam, das Training schrittweise zu steigern und die Belastungsintensität oder -dauer kontinuierlich zu erhöhen. Dies kann durch gezieltes Intervalltraining in Kombination mit ausreichenden Erholungsphasen erfolgen. Zudem ist eine angemessene Aufwärm- und Cool-Down-Phase sowie eine individuelle Anpassung an die Fitness des Pferdes entscheidend.

Wie lange sollte eine Trainingseinheit mit dem Pferd dauern?

Die Dauer einer Trainingseinheit mit dem Pferd sollte sich nach dessen Fitnesszustand richten. Nach einer etwa 15-minütigen Aufwärmphase kann die Arbeitsphase von einer halben Stunde folgen. Im Anschluss solltest du ein ausreichendes Cool-Down anhängen. 

Autor

  • Larissa

    Ich bin stolze Besitzerin von zwei selbst ausgebildeten Pferden, Pferdetrainerin aus Leidenschaft und besitze ein Händchen für die Pferdeflüsterei. Ich möchte mit dir mein gesammeltes Wissen aus den letzten 20 Jahren teilen und hoffe, die Welt ein kleines bisschen pferdefreundlicher zu machen.

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